Mit 40i cha mers mit de Tiger

Mit 40i cha mers mit de Tiger

Auf der Suche nach uns selbst

Improvisation in Strafverfahren

Mega guter Laune

Frank Renold hat ein Geschenk mitgebracht, sieht dann aber, dass Duri Bonin dieses schon hat. Er erklärt deshalb Duri unter Bezugnahme zu den Stoikern, dass er sich darüber freuen soll, dass er kein Geschenk erhält. Dieser hat Mühe, der Argumentationslinie zu folgen. Seine seit kurzem sich manifestierende gute Laune lässt er sich aber nicht verderben. Woher diese nur rührt? Vielleicht eine positive Ablenkung, wie sie bei Kindern funktioniert? Er hat sogar Mühe, bei der täglich mit Frank geführten Das-Schlechteste-des-Tages-Liste einen Eintrag zu verfassen. Diese wird deshalb kurzerhand in das Lustigste-des-Tages geändert. Die gute Laune bedroht selbst die alljährlichen Vorsätze für den Januar. Frank übernimmt deshalb die Rolle des strengen Zuchtmeisters: Alles, was ein normaler Mensch als Süssigkeit bezeichnet, will er vom Speiseplan streichen. Und damit das Umfeld unter seinem Unterzuckerungsmonat nicht zu sehr leidet, verpflichtet Frank gleich auch noch seine Frau dazu.

Wie organisiert man Verantwortung?

Duri Bonin will von Frank Renold wissen, wie sie das Theater anundpfirsich organisieren, es sei ja der ideale Nährboden auch für strukturelle Experimente. Und tatsächlich hat das Theater mit Holacracy experimentiert, die Widerstände seien aber zu gross gewesen. Es ist dies eine Organisationsform, bei welcher Autorität quer durch die ganze Firma in Form von Rollen verteilt ist, anstatt sie bei persönlichen Vorgesetzten zu bündeln. Dies führt zur Diskussion, ob sich Reorganisationen lohnen, was von Holacracy-Experiment geblieben ist, wie man Verantwortung ehrlich abgibt und wie man es erreicht, dass diese auch übernommen wird. Es hängt viel mit Wertschätzung, der Bereitschaft, Neues zu lernen, und einer funktionierenden internen Kommunikation zusammen. Wie erreicht man Verständigung und was hat ein solches mit der Herkunft, der Bildung, Sprache, den sozialen Codes zu tun? Wie holt man einander ab, das ist die Kernfrage. Inwiefern ist das ein Problem, welches in der Justiz Ungerechtigkeiten schafft? Improtheater spielt man nach Frank vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen, gemäss Duri ist das im Gerichtsaal nicht viel anders.

Manchmal muss man Jammern über den Scheiss

Corona kommt näher. Ein Umstand, welcher Duri Bonin und Frank Renold jammern lässt – über die fehlende Inovationskraft und Kreativität, den fehlenden gesunden Menschenverstand und den ausbleibenden Mut, den Herausforderungen aktiv zu begegnen. Plötzlich stellen sie selbst das Lohnsystem und das Erbrecht in Frage. Genau so plötzlich des Jammerns müde ziehen sie Kraft aus den Freuden des Alltags und träumen von Moules in der Bretagne.

Charakter und Mindset einer Person lernt man in einem herkömmlichen Bewerbungsgespräch nicht kennen

Duri Bonin nimmt Frank Renold mit durch seinen neuen Bewerbungsprozess. Er will Schritt für Schritten wissen, wie dieser sich darauf einlassen würde. Es geht darum, wie man den Charakter und das Mindset einer Person zuverlässig kennenlernen kann. Duri führt hierfür bewusst kein "Casting" durch, gemeint ein Sammeln und Vergleichen der Bewerber*Innen. Ob man sich versteht und in Krisensituationen konstruktiv ergänzt, führt Frank und Duri zu Bertrand Piccard und Brian Jones, die im Vorfeld der ersten Weltumrundung im engen Raum eines Heissluftballons sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt haben. Die Erwähnung von Bertrand Piccard ist es auch, welche das weite Feld der Hypnose und deren Unterschiede zu Mentaltraining und Meditation öffnet: Duri möchte Frank sogleich hypnotisieren, dieser hält sich aber lieber an Bier und Kuchen.

Das richtige Mass an Gelassenheit

Weniger Stress führt zu mehr Gelassenheit. Diese Lösung liegt für Duri Bonin auf der Hand. Aber wie erreichen? Frank Renold macht Vorschlag über Vorschlag, wie Entlastung zu erreichen wäre. Letztlich überzeugt sein Coaching aber nicht. Ist eine grosse Gelassenheit als Strafverteidiger überhaupt erstrebenswert? Eher nicht.
Emotionen sind der Trigger, um Interessen durchzusetzen. Und wie ist es bei der beschuldigten Person? Auch hier gilt es die Balance zwischen Gelassenheit und Aufgeregtheit resp. Aktivität zu finden. Duri und Frank versuchen sich gleich in einem Rollenspiel: Wie müsste sich Frank klugerweise vor Gericht verhalten? Wäre er gelassener, wenn er unschuldig wäre?

Nach dem Schwierigsten streben

Aus den geheimen Ferien kommen Frank Renold und Duri Bonin nochmals auf das Finden von Visionen zu sprechen: Was war da genau an Frank's Wegesrand, als er seine Firma verkauft hatte? Und weshalb wusste er, das Improtheater ist es? Frank schildert, wie er von grossen Zielen fasziniert ist und trotzdem ganz anders funktioniert: Er geht Schritt für Schritt seinen Weg, folgt seiner Veränderungslust und fühlt sich dabei pubelwohl. Angetrieben wird er von der Angst vor Gesetztheit, Gewohnheit, der Befürchtung Speck anzusetzen, aus Versehen konventionell werden. So wie es wohl vielen geht. Er stellt sich auch die Frage, wie oft muss man Brüche vollziehen, damit man die Übung nicht verliert? Das Gespräch führt zur Frage, ob abrupten Brüchen von Gewohnheiten nicht eine gewisse Unreife innewohnt. Zumindest deutlich schwieriger erscheint für Duri die goldene Mitte. Und weil beide in heiterer Gelassenheit nach dem Schwierigsten streben wollen, nehmen sie sich vor, über den Sommer darüber nachzudenken, wie sie sich der gesunden Mitte annähern können.